Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Montag, 30. März 2009

Zemidjans

Seit gut vier Monaten bin ich anerkannter Shipsdriver :-) Was absoluter Luxus ist und ein Stückchen mehr Freiheit bedeutet, denn als Shipdriver darf man einen der Landrover für vier Stunden in der Woche für private Zwecke benutzen.
Doch das Autofahren hier ist eine Wissenschaft für sich. In Liberia bin ich auch schon viel Auto gefahren (damals durfte ich noch nicht privat fahren, sondern nur Fahrten ins Kinderheim,... machen) und der Verkehr dort hat mich oft sehr erstaunt.
Hier ist es nochmal ganz anders und noch viel verwunderlicher. Die Strassen an sich sind viel, viel besser als in Liberia, das führt dazu, dass viel schneller gefahren wird - und da oft jemand aus ´ner Seitenstrasse oder Ausfahrt rausfährt ohne zu schauen ist es manchmal nicht ganz ungefährlich, weil ständig jemand abbremsen oder ausweichen muss.
Funktionierende Ampeln gibt es hier sehr viele. Manchmal halten die anderen Verkehrsteilnehmer auch bei rot, aber manchmal auch nicht.

Aber den grössten Respekt hab ich vor den Zemidjans. Das sind kleine Motorräder, die hier als Taxis unterwegs sind. Von ihnen gibt es alleine in Cotonou 80 000! Es wimmelt nur so von ihnen und sie fahren ohne Rücksicht auf Verluste! Ich kam schon an mehreren Unfällen vorbei und es sterben täglich Menschen bei solchen Zemidjanunfällen. Neulich ist ein Zemidjan vor mir von einem anderen Auto gerammt worden , der Beifahrer wurde vom Motorrad gestossen,aber der "Zemidjan-Taxifahrer" drehte sich nur kurz um und fuhr dann munter weiter. Ich habe mir erklären lassen , dass das hier normal ist, ein Unfall gehöre zum Risiko des Zemidjansfahrens .
Da bin ich dann doch immer sehr froh, dass ich in unseren Landrovern etwas mehr Blech um mich rum habe :-).

Samstag, 21. März 2009

Hospitality Centre

Vor gut 5 Wochen haben wir mit den Operationen angefangen.Der Start war recht stressig ,da sehr viel los war. Zum einen hatten wir zwei unerwartete Intensivpatienten zu betreuen und zum anderen benötigten die vielen neuen Krankenschwestern einfach etwas Zeit, um sich einzuarbeiten. So gab es am Anfang viele Fragen zu beantworten,... In der Zwischenzeit hat sich alles sehr gut eingespielt und es wird für uns "Oldies" (=Langzeitmitarbeiter) wieder etwas ruhiger :-)

Oft kommen unsere Patienten von weit her. Wenn sie bisher z.B. nach der Operation täglich einen Verbandswechsel brauchten, sind sie immer auf der C-Station auf dem Schiff geblieben. Weil wir diese Betten zur Zeit jedoch für Patienten brauchen, die erst vor kurzem ihre Operation hatten und noch mehr medizinische Versorgung benötigen, wurde jetzt ein "Hosptiality Centre" eröffnet. Dies ist eine große Lagerhalle im Hafengelände, welche wir angemietet und darin eine Station mit 60 Betten eingerichtet haben. Dort wohnen jetzt schon über 50 Patienten, die täglich für ihre Wundversorgung aufs Schiff kommen.

In dieser Lagerhalle wurden auch zwei Zelte aufgebaut, in denen die Krankengymnasik und das Augenteam ihre Patienten ambulant betreuen. Mit dieser "Aussenstelle" konnten wir unsere "Kapazität" ausweiten,so dass mehr Patienten geholfen werden kann - das ist total schön und motivierend!