Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Montag, 22. Juni 2009

neue Aufgaben

Vor einigen Wochen wurde ich von unserer "Patienten-Service-Coordinatorin" in ihr Büro bestellt und sie erzählte mir, dass sie ab August hier auf dem Schiff eine neue Stelle antreten wird.Sie fragte mich, ob ich Interesse hätte, ihre Nachfolgerin zu werden.

Ich erbat mir einige Tage Bedenkzeit. Nach vielen Gesprächen, auch mit dem Schiffsdirektor und dem Verwaltungsmanager, mit denen ich dann direkt zusammen arbeiten würde, vielem Überlegen und Abwägen, habe ich zugesagt.
So werde ich ab Juli in den neuen Aufgabenbereich eingeführt und ab August die Funktion übernehmen.

Dazu gehört dann u.a. :
  • Organisieren der Screenings ( sowohl das Hauptscreening zu Jahresbeginn , als auch die "kleineren" Screenings, die fortlaufend während des Einsatzes durchgeführt werden )
  • Unterstützung der Stationsleitungen
  • Koordination der einzelnen Fachabteilungsleiter
  • Verbesserung / Anpassung der Stationsabläufe (da jedes Land andere Gegebenheiten und Voraussetzungen bietet, müssen entsprechend Einrichtungen, Abläufe,... organisiert und angepasst werden.- z.Bsp. hatten wir in Liberia sehr viel Platz am Dock und konnten dort viele Staionen wie z.B. die Patientenaufnahme aussiedeln. Hier in Benin haben wir diese Möglichkeit nicht und müssen alles auf dem Schiff unterbringen, was zu einem enormen Plaztproblem führt
  • Überwachen der Bestellung, Lieferung und Lagerung von medizinischem Material für das Krankenhaus
  • Bearbeitung von Bewerbungen
  • Aufbau von Kontakten zu lokalen Krankenhäusern und Abklären von Möglichkeitem,dass Patienten nach Abreise des Schiffs dort weiterbehandelt werden können
  • Organisieren der wöchentlichten Meetings für das medizinisches Personal
  • Mitplanen des Einsatzes 2010 (bis jetzt ist noch nicht sicher, wohin wir gehen werden. Eigentlich war Guinea auf dem Plan, aber die politische Lage ist zu unsicher. Jetzt steht Kongo, Angola oder Togo zur Auswahl. Zur Zeit ist ein Team von Mercyships in all diesen Ländern, um die Situation abzuklären)

Das Schöne ist, dass ich trotz allen administrativen Aufgaben, durch die Screenings und Besuche in den lokalen Krankenhäusern, Zeit mit Afrikanern verbringen werde und sich so der Kontakt zwar verändern wird, aber nicht verloren geht.

Montag, 15. Juni 2009

Grossfamilien der besonderen Art

Heute habe ich einen Patienten nach einer Leistenbruchoperation versorgt. Da dieser Patient nur Bariba spricht ( eine Landessprache aus dem Norden von Benin), hatte ich einen Übersetzer, der mir bei der Verständigung half. Mein Patient erzählte mir ganz stolz, dass er 10 Frauen und 62 Kinder hat und seine jüngste Frau mit "Kind Nr. 63" schwanger ist. Ich war ziemlich erstaunt!Ich wusste zwar, dass hier viele Männer mehrere Frauen und dementsprechend grosse Familien haben, aber 10 Frauen und 63 Kinder?!
Der Übersetzter hat mich nur amüsiert angelächelt und berichtete, dass er 65 Schwestern und 40 Brüder hat. Sein Vater hat 25 Frauen.
Er erklärte weiter,dass die drei vernarbten Wunden auf seiner rechten Gesichtshälfte ebenfalls damit zu tun hätten : damit ein Vater unterscheiden kann, welches Kind von welcher Frau ist, werden den Kindern der unterschiedlichen Partnerinnen jeweils andere "Markierungen" eingeritzt oder eingebrannt.
Ich war / bin total geschockt und merke einmal mehr, wie unterschiedlich Kulturen sein können!!

Mittwoch, 10. Juni 2009

ein kleines Wunder

Letzte Woche betreuten wir diese kleine Patientin mit einem riesigen Tumor, der immer mehr auf ihre Luftröhre drückte.Sie hat uns ganz schön auf Trab gehalten!
Das Mädchen wog ebenfalls gerade mal die erfoderlichen 3000g, als sie letzte Woche operiert wurde. (Der Tumor alleine wog 800g!) Für einige Zeit lag sie nachbeatmet auf der Intensivstation. Ich bin total froh, dass wir zur Zeit zwei Intensivkrankenschwestern hier haben, die auf Frühgeborene spezialisiert sind!
Vor zwei Tagen fand die Verlegung auf Normalstation statt und die Kleine erholt sich prächtig :-) Sie hat noch Probleme mit dem Trinken, doch das wird langsam aber sicher immer besser.
Wir freuen uns alle, dass sie sich so gut erholt und die Schwellung täglich weniger wird.
Am Schönsten ist es aber, ihre Mutter zu beobachten: sie sitzt stundenlang neben ihrer Tochter, schaut sie an und lächelt vor sich hin.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Esthers über Esthers

Momentan sind wir sieben Esthers hier auf dem Schiff (leider fehlt eine auf dem Bild) was für unendlich viel Verwirrung sorgt.

Wir haben schon Verschiedenes ausprobiert, um uns auseinander zu halten: mit Esther B. kamen wir nicht weit, da wir vier "Esther B." sind.

Die Nennung des Berufs war ebenfalls keine Lösung, weil wir fünf "Nurse-Esthers" sind. Selbst wenn wir den"Fachtitel" anhängen, weiss man nicht genau, wer gemeint ist, da wir drei ICU-Nursen sind.
Ein anderer Versuch war, unsere Heimatländer zu nennen. Damit kamen wir auch an unsere "Grenzen" :-),da jeweils zwei von uns aus Kanada und zwei aus Deuschland kommen. Ans Aufgeben war nicht zu denken,so bauten wir diese Idee aus und nannten uns "German Esther 1" und "German Esther 2".Leider scheiterte es an der Umsetzung, weil dadurch noch mehr Verwirrung entstand :viele verwechselten ,wer von uns jetzt Nr.1 und wer Nr. 2 ist.
Mit der anderen deutschen Esther werde ich am meisten verwechselt, da wir beide Intensiv-, und Anästesiekrankenschwestern sind.Ausserdem sind wir beide genau gleich alt, kommen beide aus der Nähe von Stuttgart und haben somit den gleichen Akzent, wenn wir englisch reden, sind beide für zwei Jahre hier und kamen fast zur gleichen Zeit hier an.
Vor fünf Wochen kam eine der kanadischen Esthers aufs Schiff.Unsere Nachnamen sind fast identisch. Beim letzten Firedrill z.B. stellten wir dann fest, dass nur eine von uns auf der Musterliste steht :-) .
Jetzt mus ich mich wohl einfach daran gewöhnen, dass ca. jeder dritte Telefonanruf nicht für mich ist (v.a die um 7 Uhr morgens :-)), und ich bin schon Profi darin, emails weiterzuleiten, die zwar z.T. sehr interessant sind, aber mit denen ich nichts anfangen kann, da sie für eine andere Esther bestimmt sind :-)