Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Dienstag, 29. Juli 2008

Happy 161. Independenceday Liberia!

Am Wochenende feierte Liberia seinen 161. Unabhängigkeitstag. Liberia wurde von freigelassenen Sklaven aus Amerika gegründet - deshalb spricht man hier englisch, und die Nationalflagge ist so ähnlich wie die amerikansiche Flagge. Viele Liberianer unterscheiden heute noch ob sie "amerikanische Liberianer" sind oder nicht. Unter anderem führte dieser Unterschied zu den vielen Kriegen, die es hier in der Vergangenheit gab.
Dieses Fest wird hier noch größer gefeiert als Weihnachten - so richtig mit Geschenke, gutem Essen,.... - und vor allem vielen Fussballspielen :-) Am Samstagmittag spielte halb Monrovia Fussball!Ich habe diesen Tag zuammen mit den Kindern von dem "Victorias Faith and Refugee Home" gefeiert. Dies ist das Kinderheim das ich jede Woche besuche um mit den Kindern zu spielen, basteln,biblische Geschichten zu erzählen,... Auf dem Bild seht ihr die Fussballmanschaft des Kinderheims die gegen Nachbarskinder spielten.
Außerdem haben wir den Kids Flaggen und was sie sonst noch wollten mit Gesichtsfarbe auf Arme und Gesicht gemalt (die Flagge,Blumen oder Sterne zu malen ging ja noch, aber als sie sich dann Löwen und Hunde wünschen wurde es echt schwierig :-))

Sonntag, 20. Juli 2008

Elizabeth

Heute will ich euch nochmal von einem unserer Patienten berichten - von Elizabeth. Sie hatte einen riesigen Tumor an ihrem Hals der auf die Trachea (Luftröhre) drückte. Sie konnte kaum mehr atmen und somit auch kaum mehr sprechen. Ohne eine OP wäre sie in den kommenden Tagen gestorben.

Am Freitag wurde sie operiert und es ist ein Wunder dass sie noch lebt.
Zum Einen hatte ihre Trachea nur noch den Durchmesser eines Strohhalmes, und es war nicht möglich sie zu intubieren oder zu tracheotomieren, so dass sie während der OP über einen Tubus beatmet wurde, der von der Seite in der Trachea lag. Nach dem Entfernen des Tumors bekam sie ein Trachesostoma, über dass wir sie jetzt beatmen können.
Zum Anderen blutete sie sehr, sehr viel und war zeitweise absolut instabil. Zum Glück haben viele von der Crew ihre Blutgruppe, so das wir ihr genügend Blut transfundieren konnten.
Während des Wochenendes hat sich Elizabeth zunehmend stabilisiert und wir sind alle total froh dass sie diesen Eingriff, trotz allen Schwierigkeiten, so gut übertanden hat!

Dienstag, 15. Juli 2008

Meine kleinen Patienten

Zur Zeit haben wir etwas weniger Patienten wie sonst, da nur 2 Chirurgen operieren. Doch die Patienten die hier sind, v.a. die Kinder, halten uns ganz schön auf Trab.
Zum Beispiel Alfred - unser "Stationsclown":Alfred ist jetzt schon seit fast 2 Monaten bei uns. Er war nach seiner Operation Anfang April schon mal zu hause, kam dann aber ein paar Wochen später zurück aufs Schiff mit einer infizierten Wunde. Hier ist es immer ein großes Risiko Patienten mit noch nicht komplett verheilten Wunden zu entlassen, denn die hygienischen Verhältnisse (v.a in den Dörfern) sind so katastrophal, dass es schnell zu Infektionen kommt. Doch anderseits haben wir meistens einen sehr straffen OP-Plan, so dass wir schauen müssen, dass wir für alle geplanten Zugänge ein freies Bett haben.
Aber Alfred geniest es hier zu sein und stellt, v.a. zusammen mit Angela, viel an.
Angela ist die Tochter einer Patientin und lebt mit hier auf Station, da es sonst niemand gibt der sich um sie kümmern könnte. Der dritte im Bunde ist "Darling Boy":Er hatte schlimme Verbrennungen und Kontrakturen an seiner Schulter und am Arm. Seine Mutter war zu Beginn seines Aufenthaltes an Bord mit hier, doch eines Mittags sagte sie, sie müsse in der Stadt was einkaufen gehen und würde abends wieder kommen. Dass ist jetzt 2 Wochen her und sie tauchte bisher nicht auf. Wir telefonieren täglich mehrmals mit dem Vater und bitten darum, dass jemand kommt und sich um Darling Boy kümmert. Denn für ihn ist es nicht so einfach hier alleine zu sein - auch wenn er in Alfred und Angela zwei guten Freunde gefunden hat und immer mit ihnen unterwegs ist.

Diese zwei Buben sind Zwillinge, Moses und Josua. Beide hatten vor 3 Wochen eine Hernienoperation (Leistenbruch). Ein Tag nach der Entlassung stand die Mutter mit ihren beiden Söhnen am Dock und erzählte, dass Moses die ganze Nacht lang gekrampft hatte.Und keine 10 Minuten später fing er wieder an zu krampfen - so dass wir sie schleunigst auf Station brachten und versorgten. Es stellte sich heraus, dass Moses eine cerebrale Malaria hat. Zwei Tage lang ging es ihm echt schlecht, er kramfte immer wieder, hatte extrem hohes Fieber,... doch in der Zwischenzeit geht es ihm wieder sehr gut - aber jetzt hat Josua Malaria (aber "nur" eine normale Malaria, es geht ihm nicht so schlecht wie seinem Bruder)! Zur Beobachtung behalten wie sie noch ein paar Tage hier bis es den beiden Kerlchen wieder richtig gut geht.
Wenn wir Krankenschwestern Zeit haben, gehen wir mit all den Kids zum Austoben und Spielen auf´s Dock, was sie besonders lieben - und wir auch :-)

Freitag, 4. Juli 2008

Arbeitsalltag

Wenn ich hier so arbeite mus ich manchmal über mich selber schmunzeln und über die Arbeit hier, die mir in der Zwischenzeit schon so normal erscheint. Z.B. die Ausdrucksweise. Monitore heißen hier "Alarmmaschinen", wenn es einem gut geht sagt man: "Body good", wenn es einem schlecht geht: "I´m trying", wenn man fragt wie stark die Schmerzen sind gibt´s entweder die Antowort: "plenty, plenty", oder "small, small".
Oder unser regelmäßiger "Toilet-Talk". Viele Menschen hier kennen keine Duschen oder Klos. Wenn sie hier aufgenommen werden gibts den "Toilet-Talk" bei dem ihnen die Badezimmer hier erklärt werden. Außerdem hängen noch Bilder zur Verdeutlichung und Erinnerung an den Wänden:
Auch in dem Kinderheim, in das ich regelmäßig gehe, hatten wir in den letzten Wochen einen "Toilet-Talk" denn das Bauteam vom Schiff hat ihnen drei Klohäuschen gebaut - und zur Einweihung gab´s den "Toilet-Talk". Dabei erklärten wir ihnen auch, wie wichtig es ist, sauberes Wasser und v.a. genügend zu trinken. Auf die Frage, wie denn der Urin aussehen sollte bekamen wir die Antwort eines Mädels: "wet" (nass) :-)