Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Samstag, 20. Dezember 2008

Grüße aus Teneriffa!

Gestern morgen um 06:00 haben wir hier in Teneriffa angelegt.
Die letzte Woche war geprägt von wunderschönen Sonnenuntergängen, Delphinen die um das Schiff herumsprangen, viele Schwärme von fliegenden Fischen und leider für 3 Tage auch stürmische See mit ordentlichen Wellen - wodurch dann die Hälfte der Bestatzung erst mal seekrank wurde. Mich hat es zum Glück nicht erwischt und ich sass oft auf Deck 7 und genoss das Naturschauspiel :-))
Eigentlich beginnt mein offizieller Urlaub am Montag,doch letzte Woche tickten die Uhren schon sehr viel langsamer als normalerweise. Wir starteten morgens erst um 8 Uhr (anstatt 7 Uhr), hatten zwei Mal am Tag Kaffeepause und die ganze Stimmung auf dem Schiff war total entspannt.
Zusammen mit Esther (einer Schweizer Krankenschwester) und Debora (eine dt. Krankenschwester aus der Nähe von Heilbron) haben wir die Patientenakten der vergangenen 10 Monate sortiert und eingescannt - das war ein sehr viel Arbeit, aber auch total lustig :-)

(das ist Esther, die gerade eine Akte von einer Patientin sortiert, die während des Einsatzes 6 OPs hatte :-))

Jetzt freue ich mich, bis ich kommende Woche Heim fliege und dann über Weihnachten und Silvester bei meinen Eltern sein werde!

Dienstag, 9. Dezember 2008

Abschiedsgrüsse aus Monrovia

Unser letztes Wochenende in Monrovia liegt hinter uns und es war prall gefüllt mit Abschiedsfesten.
Am Samstagmorgen waren wir im Kinderheim und hatten dort mit den Kindern eine sehr schöne Abschieds- und gleichzeitig Weihnachtsfeier. Da Pastor Andrew (der Leiter des Kinderheimes) nicht weiss, wann die einzelnen Kinder Geburtstag haben, gibt es einen Tag im Jahr, an dem der Geburtstag von allen 31 Kindern gefeiert wird. Das haben wir am Samstag dann auch gleich noch mitgefeiert - so war es ein Fest,das es in vieler Hinsicht "in sich hatte" :-)))
Hier ein paar Bilder:
Beim "stille Post" spielen :-)
Wir bastelten "Weihnachtsbälle" mit ihnen.

Es gab ein Festessen für alle,...


... und die Geschenke durften natürlich nicht fehlen! Die Mädels bekamen eine Stoffmaus und die Jungs Spielzeugautos. Sie haben sich sooo unglaublich gefreut!!


Zum Schluss wurden dann "Big Mama" (Ines, in der Mitte) und wir zwei "Little Mamas" (Jodi und ich) verabschiedet. Es war ein tränenreicher Abschied.



Die Stationen wurden am 5 Dezember geschlossen. Wir haben unsere letzten drei Patienten noch gut entlassen können, was bei einem kleinen Jungen nicht so einfach war. Er hatte eine OP, bei dem das Gehirn mitbetroffen war. Leider hatte er danach Probleme mit dem Liquorabfluss (Flüssigkeit im Gehirn),bekam erhöhte Hirndrücke und wir mussten ihm eine Entlastungssonde legen. Da wir hier kein adäquates Monitoring für Hirndruckpatienten haben, war es eine etwas schwierige Situation. Nachdem Dr. Gary dem Patienten einen VP-Shunt(spezielles Ventil,über die die Gehirnflüssigkeit abgeleitet wird) gelegt hatte, war es etwas besser. Doch leider entstanden Probleme mit dem Shunt , so dass der Kleine letzten Donnerstag nochmal in den OP musste . Jetzt ist er hier in einem Kinderkrankenhaus von "Ärzten ohne Grenzen" und wird in zwei Wochen nach Kenia geflogen, um dort von einem Kinder-Neurochirurgen weiterbehandelt zu werden.


Die letzen Tage stand putzen und alles "seefest" verpacken und verschnüren auf dem Progeamm. Da wir früher als geplant abfahren werden, mussten wir uns beeilen, um die Stationen fertig zu bekommen, denn die ganzen Zelte die am Dock standen (für Patientenaufnahme, Augenpatienten und Krankengymnastik) wurden zusammengepackt und lagern jetzt in den Stationen.

Bis vor einer Woche war noch so viel los am Dock, überall Zelte, ein paar Patienten kamen zu ihren letzten Checkups und auch alle Landrover standen in Reihe und Glied. Heute wurden die letzten Autos verladen und stehen jetzt auf Deck 8.
Nun sind wir fertig, die Hektik nimmt ab und die ganze Stimmung wird langsam gelöster :-)


In den kommenden Tagen werden wir hier ablegen. Der genaue Zeitpunkt wird nicht bekanntgeben, da wir enorme Probleme mit Afrikaner haben, die als "blinde Passagiere" mitfahren wollen. Letzte Woche kam es zu Aufständen im Gefängnis und über 200 Gefangenen gelang die Flucht. Die Stadt war für zwei Tage so gut wie abgeriegelt, sie konnten einige Häftlinge einfangen, aber viele sind auf dem Weg ins Ausland.

Wenn auf anderen Schiffen blinde Passagiere unterwegs entdeckt werden, "verschwinden" sie oft, da der Kapitän enorme Probleme bekommt, wenn er "illegale Einwanderer " an Bord hat. Da wir den Ruf haben, dass wir hilfsbereite Menschen sind, sind wir im Moment ein begehrtes Ziel . Wir haben jedenTag einige Afrikaner, die versuchen auf´s Schiff zu kommen. Seit gut einer Woche gibt es deshalb einen 24 h Swimmer-Watch: wir von der Crew schieben immer 2 h Schichten auf Beobachtunsgsposten und wenn wir Personen aufs Schiff zu schwimmen sehen,informieren wir den Duty Officier,der dann verhindern muss, dass die Afrikaner an Bord kommen.



So waren die letzten Tagen nicht langweilig, und wir freuen uns jetzt alle auf eine hoffentlich ruhige Überfahrt nach Teneriffa und ein paar erholsame Tage dort :-)