Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Sonntag, 20. Dezember 2009

Grüsse aus Teneriffa!

Seit einem Tag sind wir auf Teneriffa!!
Der Beginn der Überfahrt war ja wie berichtet traumhaft schön und für die komplette erste Woche konnten wir weiterhin geniale Sonnenauf-,und untergänge geniessen und sahen sehr viele Delphine.
Doch als wir Richtung Norden drehten, wurde die Fahrt sehr unruhig. So alle 10 Minuten schaukelte eine langsame, aber hohe Welle unser Schiff durch. Wir erreichten einen Neigungswinkel von 25 Grad (das Maximale, was unser Schiff aushält, sind 35 Grad). Mehrmals mussten wir unsern Kurs ändern bzw. anpassen, um den Wellen auszuweichen. Manchmal lag ich im Bett und dachte, dass ich jetzt gleich vollends ganz aus dem Bett rutsche, doch dann schaukelte es in die andere Richtung und ich lag wieder mehr oder weniger in der Mitte . Tja, viel geschlafen haben wir alle nicht während diesen Nächten :-). Auch beim Essen musste man immer Teller und Becher festhalten, sonst haben sie sich selbständig gemacht. Während den letzten zwei stürmichen Tagen sind wir auf Pappgeschirr umgestiegen, da so viel kaputt ging:-)
Obwohl wir vor der Abreise alles gesichert hatten, mussten wir v.a. nach der ersten unruhigen Nacht sehr viel aufräumen. Es hatte niemand mit so heftigen Wogen gerechnet.


Daher bin ich enorm froh, dass wir Teneriffa erreicht haben, denn nun kann ich wieder in Ruhe arbeiten, ohne dass mein Stuhl ständig von einer Büroecke in die andere rollt und in der Nacht keine Rundgänge durchs Krankenhaus mehr nötig sind, um zu kontrollieren, ob noch alles gesichert und am richtigen Platz ist:-).

Insgesamt war es trotzdem eine sehr schöne Zeit. Zusammen mit einigen anderen sass ich jeden Abend draussen am Deck, wir haben geredet und die gemeinsame Zeit genossen. Für fast alle von ihnen ist der Einsatz mit Mercy Ships nun zu Ende und sie werden nach Hause gehen. Wenn ich im Januar nach meinem Urlaub wieder zurück kommen werde, wird nur noch eine von ihnen hier sein. Es ist wieder mal Zeit um Abschied zu nehmen.

Hier auf dem Schiff gibt es die Tradition, dass alle Mitarbeiter, die länger als zwei Jahre dagewesen sind, bei unserem Community meeting verabschiedet werden. Da unser Hospital Manager zur Zeit im Urlaub ist und ich ihn vertrete, hatte ich die "Ehre", zwei von meinen Freundinnen öffentlich zu verabschieden. An diesen Part des Schiffslebens werde ich mich glaube ich nicht gewöhnen können.

Morgen werde ich nun nach Hause fliegen und ein paar Tage Urlaub machen. Darauf feue ich mich schon sehr :-)

Ich werde versuchen, so viele wie möglich zu besuchen, doch da ich nur für zwei Wochen kommen kann, werde ich es nicht schaffen, Euch alle zu sehen!
Ich wünsche Euch ruhige Weihnachtstage und Gottes Segen für 2010!


Mittwoch, 9. Dezember 2009

Ein Herz für Kinder

Im September hatten wir hier auf dem Schiff Besuch von einem deutschen Filmteam. Sie (ver-)folgten uns für eine gute Woche und das Ergebnis ist ein 5 minütiger Film.
Dieser Film wird am kommenden Samstag (12 Dezember, 20:15) im ZDF in der der Sendung "Ein Herz für Kinder" mit Thomas Gottschalk gezeigt werden. Auch ein Chirurg und eine Anästhesistin, die währnd dieser Zeit hier waren, werden dort sein - also falls ihr Lust und Zeit habt schaut es Euch an :-)

Viel Spass!

wunderschöne Überfahrt!

Jetzt sind wir seit einem Tag unterwegs und bisher ist es eine sehr gemütliche Fahrt. Das Meer ist ruhig und das Schiff schaukelt kaum. Wenn man sich im Inneren des Schiffes befindet, merkt man gar nicht, dass wir fahren :-) So geht es uns allen echt gut und wir geniessen die Zeit, um uns auszupannen, die wunderschönen Sonnenauf-, und untergänge zu geniessen und auch, um ein wenig zu arbeiten :-)

Heute Abend habe ich mich mit drei Freundinnen zum Abendessen auf Deck 7 getroffen. Sobald wir es uns gemütlich gemacht hatten, bemerkten wir einen riesen Schwarm fliegender Fische auf der starboard side (rechts :-))! Wir sahen ihnen eine Weile zu und beschlossen dann, weiter zu essen. Nach 5 Min. kam eine Durchsage, dass auf der port side (links :-)) ein kleiner Tornado zu sehen wäre! Also haben wir uns auf die andere Seite des Schiffes begeben, und es war eindrücklich zu sehen, wie am Horizont ein kleiner Tornado vorbeizog, der dabei ordentlich Wasser aufwirbelte.






Als dieses Naturschauspiel vorbei war, gingen wir zurück zur starboard side und versuchten weiter zu essen, bis auf einmal 20 Delphine auftauchten! Es war wunderschön sie zu beobachten, wie sie neben dem Schiff und um die Spitze des Schiffes herumhüpften.


Leider fing es dann an zu regnen und wir mussten uns unters Dach zurückziehen. Doch da auf der anderen Seite des Schiffes noch die Sonne schien, gab es einen wunderschönen Regenbogen! Das war einfach genial: Sonnenuntergangsstimmung, ein Regenbogen und Delphine!

Und als ob das nicht schon genug wäre, tauchten noch vier Wale auf!!

Diesen Abend werde ich so schnell nicht vergessen, es war unglaublich eindrücklich und ein wunderschöner Start der Überfahrt!

Sonntag, 6. Dezember 2009

letzte Woche in Benin

Unsere Zeit in Benin ist nun endgültig vorbei. In wenigen Tagen werden wir hier ablegen und ich freue mich schon auf die zehntägige Überfahrt nach Teneriffa :-)


Die letzte Woche war geprägt von vielen Abschieden. So hatten wir z.B. eine große Abschiedsparty für unsere 54 Übersetzer. Durch die enge Zusammenarbeit mit ihnen fiel mir der Abschied von einigen echt schwer. Viele von ihnen sind nun wieder arbeitslos und es wird schwierig für sie, eine Arbeit zu finden. Es ist nicht einfach, sie in dieser aussichtslosen Situation zurück zu lassen.
Am Donnerstag morgen als ich in mein Büro kam, wartet ein nette Überraschung auf mich: einige Krankenschwestern hatten sich den Zentralschlüssel vom Chief Officer ausgeliehen und mein Büro komplett mit Luftballons und Klopapier "gschmückt" :-)Am Freitag war ich damit beschäftigt, mein Büro aufzuräumen, zu putzen und alles seefest zu verpacken :-) Da das Büro schon lange Zeit nicht ordentlich geschrubbt worden war, war es echt mal an der Zeit. Das Reinigungsmittel, das wir hier haben, um die Stationen und sonstige Räume zu putzen, ist sehr aggressiv - es ging mehrmals auf Grund von den Putzmitteldämpfen der Feuermelder los. So haben wir uns alle mit Mundschutz bewaffnet und mit viel Humor und Spass alles in einem absolut sauberen Zustand gebracht :-)

Freitag, 20. November 2009

eine unserer Patientinnen vom letzten OP-Tag

Am Freitag stand Anicette auf unserem letzten OP-Plan hier.
Ihre Mutter brachte sie im August zum ersten Mal aufs Schiff, als Anicette 8 Wochen alt war. Sie wurde mit einer Lippen-, und Kieferspalte geboren. Da sie mit der Kieferspalte nicht saugen kann, konnte Anicettes Mutter sie nicht stillen und die Kleine wog gerade mal 2000g.
Wir haben sie in unser Children-Feeding-Program aufgenommen und während den letzten Monaten war es ein auf und ab mit ihrem Gewicht. Zeitweise nahm sie ordentlich zu, dann bekam sie Brech-Durchfall und nahm wieder alles Zugenommene ab. Nachdem sie wieder aufgeholt hatte, wurde sie erneut krank und nahm wieder ab. Doch nun hat sie pünktlich zum letzten OP Tag das min. Gewicht von 3000g erreicht und so konnte Dr. Gary unser "Dickerchen" wie wir Krankenschwestern sie liebevoll nannten, operieren.Es ist sooo schön sie jetzt zu sehen. Ihre Lippe ist zwar noch ziemlich geschwollen, aber das wird in den kommenden Wochen besser werden.
Da Anicette und ihre Mutter aus dem Norden von Benin kommen, haben sie die letzten Monate in unserem Hospitality Centre gewohnt und kamen ein bis zweimal die Woche aufs Schiff. So sind sie uns allen sehr ans Herz gewachsen.Was mich besonders freut ist, dass Anicettes Mutter während ihrer Zeit hier schreiben, lesen und ein wenig rechnen gelernt hat! So wird sie kommende Woche nicht nur mit einem gesunden Kind nach Hause fahren können, sondern mit zwei Büchern in ihrem Gepäck, in denen sie hoffentlich sehr viel lesen wird und ihre Fähigkeit im Lesen und Schreiben noch erweitern wird.

Letzet OP Woche beendet!

Während den letzten Wochen hatte ich jeden Tag unser sogenanntes "10 Uhr meeting" mit der OP Leitung, der Leitung von der Patientenaufnahme und den Stationsleitungen. Bei diesen Besprechungen aktualisierten wir, wie viele Patienten wir aufnehmen können, auf welche Station sie kommen und mussten schauen, ob das alles mit dem OP-Plan übereinstimmt. Das war manchmal recht anstrengend,weil Patienten immer wieder nicht erschienen sind bzw. drei Tage später auftauchten, viele Malaria hatten und ihre Operation verschoben werden musste,... . Dadurch hatten wir Zeiten, in denen die Stationen enorm voll waren und es entstanden andererseits leider teilweise Lücken und es musste geschaut werden,dass die Operationsmöglichkeiten voll ausgeschöpft werden können.Meine Aufgabe war es dabei, den Überblicke über alle unsere Patienten zu behalten :-)
Am Freitag war der letzte Tag, an dem operiert wurde, und ich bin sehr erleichtert, dass wir alle gescreenten Patienten noch irgendwie in den OP-Plan haben unterbringen können!!
In unserem letzten "10:00 Uhr meeting" herrschte so eine fröhliche und ausgelassene Stimmung :-)

Sonntag, 15. November 2009

immer wieder neue Variationen...

Vor drei Tagen wurden wir vom Medical Emergency Team zur Reception gerufen.Wir fanden einen bewusstlosen Afrikaner vor, der laut der Kollegin am Empfang, nachdem er Bananen ans Schiff geliefert hatte, plötzlich zusammengebrochen war.
Wir brachten ihn auf die Intensivstation und waren etwas ratlos: seine Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Atmung) waren alle normal, er war nicht kaltschweissig... Während wir alle um sein Bett standen und überlegten, was wir tun sollten, wachte der Patient schlagartig auf und erzählte uns, dass er einen Leistenbruch habe und ihm dieser Bruch auf einmal so stark weh getan hätte, dass er bewusstlos geworden wäre.Er würde jetzt ganz dringend eine Operation benötigen und da er ja jetzt schon auf dem Schiff und auf Station wäre, sei es doch sicher kein Problem für uns ,ihn kurz zu operieren.
Auch dieses Mal hiess es wieder, ihm zu erlären, dass der OP-Plan völlig ausgelastet ist und die Untersuchung ergeben hätte, dass es nicht notfallmässig behandelt werden muss.
Es überrascht mich immer wieder, was sich die Leute einfallen lassen, um Hilfe zu bekommen und es ist nicht einfach, immer wieder abzuweisen, abzuweisen, abzuweisen,... .Man darf die Personen nicht aus dem Blick verlieren,denen wir helfen konnten und aus dieser Perspektive auch dem Ende der Operationswochen entgegensehen.

Einmal volltanken Bitte!

Alle Vorbereitungen für den Abschluss von unserem Einsatz hier laufen auf Hochtouren. So hatten wir vorgestern einen neuen "Nachbarn", den Tanker M/V Energizer. Zur Zeit ist unser Tankplatz besetzt,daher haben die Hafenbehörden der M/V Energizer die Erlaubnis erteilt, direkt neben uns anzulegen.

Für zwölf Stunden lag Benzingeruch in der Luft, da der Tanker genau am Einzug unserer Klimaanlage plaziert war.
So "roch"es aber in gewisser Weise auch gleichzeitig nach baldiger Abfahrt
Richtung Teneriffa :-)!

Samstag, 7. November 2009

faszinierende Namen

Jetzt sind wir schon seit neun Monaten hier in Benin und in dieser Zeit ist mir dieses Land immer ein bisschen vertrauter geworden.

An eins konnte ich mich bisher jedoch noch nicht gewöhnen: die äusserst ungewöhnlichen und unaussprechbaren Namen.Z.Bsp. Nachnamen wie HOUGNEBDOU, WGHOUIDGY oder AGCHOUGOU. Aber auch die Vornamen sind nicht wirklich immer einfach auszusprechen: Gbdija oder Trgchou.

Ab und zu gibt es auch einfachere Varianten, die meistens recht einprägend sind wie z.B. Kiki :-)


Momentan läuft noch das volle Programm, doch wir haben nur noch zwei Wochen vor uns, in denen operiert wird. In drei Wochen werden wir unsere Station schliessen.

Unser Einsatz hier in Benin geht mit riesen Schritten auf das Ende zu!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Einzelkabine

Als ich letzten Mittwoch vom Arbeiten kam, hatte ich einen Zettel an meiner Türe hängen, den sich jeder hier von der Crew wünscht, aber den nur wenige bekommen.
Er stammte von dem Büro, das für die Kabinenbelegung zuständig ist und enthielt die Nachricht, dass diesen Sonntag eine Einzelkabine frei werden würde und ich auf Grund von meinem neuen Job nun an oberster Stelle der Liste für Einzelkabineanwärter stände. So habe ich schnell meine "sieben Sachen" gepackt und bin dieses Wocnenende umgzogen :-)!Ich geniese es soo sehr, nun meine "eigenen vier Wände" zu haben und schätze es enorm, einen Platz zu haben, an den ich mich zurückziehen kann.

Hier ein paar Bilder von meinem neuen Zuhause:


P.S. Unserem schwerverletzten Kollegen geht es besser. Er ist noch nicht wieder richtig fit, aber er erholt sich langsam.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Nochmal ein Zemidjanunfall

Am Donnerstag morgen um 06:00 wurde das "Medical Emergency Team" zur Intensivstation gerufen. Da wir zur Zeit drei Teammitglieder mit recht schweren Malariaerkrankungen in der ICU liegen haben, habe ich mich innerlich darauf eingestellt, dass es einem von ihnen akut schlechter gehen würde. Doch als ich ankam, erschrak ich extrem, da ein blutüberströmter Teamkollege auf dem Bett lag, bewusstlos und wir konnten zuerst gar nicht erkennen, um wen es sich genau handelt. Wir haben ihn dann notfallmäßig versorgt und es stellte sich heraus, dass er mit einer Gruppe von andern Mercyshipers joggen war, als ein Zemidjan in die Gruppe fuhr und unseren Freund dabei streifte, so dass er mit dem Kopf auf die Strasse knallte.

Wir waren alle so froh, dass wir ein CT an Bord haben, so dass die Möglichkeit bestand, ein Schädel-CT zu fahren, was -Gott sei DANK -unauffällig war. Wir trafen trotzdem alle Vorkehrungen, um in evtl. schnell ausfliegen zu können, falls sich sein Zustand verschlechtern sollte. Doch auch das Kontroll CT am Freitag zeigte keine Auffäligkeiten ,so dass wir unseren Kollegen jetzt hier behalten und ihn langsam wieder aufpäppeln werden.

Damit wir vom Medical Emergeny Team "nicht aus der Übung kommen", hatten wir am Donnerstagabend um 23:00 gleich nochmal einen Notfall. Ein kleiner Junge hatte Krampfanfälle. So lagen am Abend fünf Patienten auf der Intensivstation .

Am Wochenende trat Entspannung ein. Unseren Malariapatienten ging es soweit besser, dass sie in ihre Kabinen "entlassen" werden konnten.

Hoffentlich wird die kommende Woche etwas ruhiger :-)

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Zemidjanunfall

In einem meiner früheren Blogeinträge habe ich von den vielen Zemidjans (Motorräder) berichtet, die hier überall auf den Strassen unterwegs sind und den dementsprechend gefährlichen Verkehrsverhältnissen.
Heute Morgen war einer unserer Übersetzer auf dem Weg zur Arbeit, als ein Truck ihn übersah.Daniel wurde dabei so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb.
Er war mitte dreissig, und hinterlässt seine Frau und zwei kleine Kinder.
Wir sind alle geschockt, denn durch die enge Zusammenarbeit mit den Übersetzern entstehen viele Freundschaften .V.a. Daniel war jemand, der uns "Weissen" sehr half seine Kultur zu verstehen. Er war sehr musikalisch und zusammen mit zwei andern Übersetzern blieb er oft nach einer Frühschicht noch länger auf Station und sang und musizierte für unsere Patienten.

Es war ein trauriger und harter Moment,das Team über den Unfall zu informieren. Unser Treffen entwickelte sich spontan zu einem Gottesdienst: es wurden Lieder gesungen und viele erzählten,was sie alles mit Daniel erlebt hatten. Wir sind alle sehr betroffen und werden ihn enorm vermissen!

Sonntag, 4. Oktober 2009

Blutspende Sonntagabend 21:00



Sonntagabends nach dem Gottesdienst haben wir immer ein "German-meeting". Es ist eine gemütliche Zeit, in der wir Deutschen zusammen sitzen und DEUTSCH reden:-).
Gestern Abend wurde ich während des Germanmeetings angpaged und zur Intensivstation gerufen. Es gab einen Patienten, der Blut brauchte. Dieses Mal musste nicht ich meine Kollegen "anzapfen", sondern war selber dran, Blut zu spenden. Es wird immer versucht, die Krankenschwester als letzte Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. Zur Zeit sind wir nur fünf B+ Spender, so dass ich nun an der Reihe war.



Als Dankeschön gibts danach eine Cola mit "Strohwaffel" :-)

Samstag, 3. Oktober 2009

Tag der Deutschen Einheit

Vor zwei Wochen haben wir Deutschen eine Einladung vom deutschen Botschafter für einen Empfang in seiner Residenz anlässlich des "Tags der Deutschen Einheit" bekommen. Zur Zeit sind wir 20 Deutsche und wir hatten viel Spass mit den "Vorbereitungen", da es eine strenge Kleiderordnung gab und alle Männer ein Hemd und Krawatte brauchten.Auch bei uns Frauen wurden noch Schuhe und passende Handtaschen gesucht bzw. ausgetauscht :-)

Es war ein schöner und interessanter Abend. Ich war erstaunt, dass es so viele Deutsche im Benin gibt, da wir ungefähr 800 Leute waren.
Mit einigen Mitarbeitern der Botschaft gab es ein nettes Wiedersehen.Wir hatten sie vor drei Monaten bei einem Dinner in der Botschaft kennen gelernt.
Es war aber auch spannend, neue Menschen kennen zu lernen.So unterhielt ich mich z.Bsp. mit einer deutschen Professorin, die seit einigen Jahren mit einem beninischen Apotheker verheiratet ist.Es war interessant von ihr zu hören, wie sie hier lebt und die Herausforderung meistert, mit ihrer deutschen Mentalität in einem afrikanischen Land zu leben. Dies sind einfach zwei "grundverschiedene Welten" und ich bewundere alle Menschen, die den "Spagat" bewältigen.
Da die (zum Glück nur 30 minütige) Ansprache auf Französich war, habe ich nicht viel verstanden. Im Hintergrund war eine große Leinwand aufgestellt, worauf verschiedene Bilder aus Deutschland gezeigt wurden. Es war ein seltsames Gefühl bei 45 Grad unter Palmen zu stehen und die Bilder von daheim zu sehen - es überkam mich schon ein wenig Heimweh :-)

Freitag, 25. September 2009

Schulbeginn auf dem Schiff

Vor drei Wochen hat auch für unserer 55 Schulkinder auf dem Schiff nach den Sommerferien der Schulalltag wieder begonnen.Unsere Sommerferien fallen in die Regenzeit.So nutzten die meisten die Gelegenheit, um nach Hause zu fliegen, denn es ist nicht so einfach mit seinen Kindern etwas zu unternehmen, wenn es in Strömen regnet und man auf einem Schiff
festsitzt.
Jetzt wimmelt es wieder überall von Kindern und v.a. im Speisesaal geht es sehr lustig und turbulent zu.
Es finden in regelmässigen Abständen sogenannte "Atkionstage"statt, an denen sich alle Kinder passend zu einem Thema verkleiden. Dass ist immer besonders spannend, wenn man zum Beispiel auf einmal von 50 kleinen Robin Hoods umgeben ist :-).
Letzte Woche hatten sie das Motto "Twins", und wir hatten alle viel Spass mit den vielen Zwillingspäärchen :-)

Samstag, 19. September 2009

unbegrenzte Transportmöglichkeiten

In der Zwischenzeit habe ich mich schon daran gewöhnt, dass Afrikaner ALLES mit Mopeds oder Autos transportieren. Doch diese Bilder, die ein Freund von mir gemacht hat, als er neulich in der Stadt unterwegs war, haben meine bisherigen "Impressionen" zum Thema Transportmöglichkeiten weit übertroffen :-)!


Hier einige Kostproben davon:

Samstag, 12. September 2009

Patienten am Dock - immer eine Überraschung

Heute morgen bekam ich einen Anruf von unserem Security Guard an der Gangway:Er meldete, dass ein Mann mit einem Leistenbruch am Dock warten und fragen würde, ob er hier operiert werden kann.
Da wir nur noch neun Wochen operieren, bevor unser Einsatz hier in Benin zu Ende sein wird, ist unser OP Plan komplett gefüllt und wir haben keine freien Plätze mehr.
So machte ich mich auf den Weg, um dies dem Mann zu erklären, was leider zu einer traurigen Routine in meinem Job gehört.
Als ich am Dock ankam, war ich erstaunt nicht nur EINEN Mann, sondern 15 vorzufinden!
Ein "cleverer" Geschäftsmann aus dem Norden von Benin hatte gehört, dass wir dieses Art von Operation kostenlos anbieten.Daraufhin hatte er 15 Männer mit Leistenbrüchen in seinen alten, total verrosteten und klapprigen VW-Bus geladen, von jedem ordentlich Geld abkasiert - für die Fahrt und die Operation - und nun stand er mit ihnen am Dock.
Es war enorm schwierig, ihnen die Situation zu erklären und begreiflich zu machen, dass wir ihnen nicht helfen können. Erst nach einer 1,5 stündigen Diskussion und mit Hilfe von unserem Secuirty Officer, konnte ich sie schliesslich dazu bewegen, zumindest das Hafengelände zu verlassen.

Drei Stunden später rief mich der Security Guard der Gangway erneut an und meldete wiederum einen Patienten mit "Hernia" (das Thema verfolgte mich an diesem Tag!).
Ich zog wieder los.Unterwegs traf ich unseren Security Officer und warnte ihn schon mal vor, dass ich wieder "in gleicher Mission" unterwegs wäre. Als ich den Patienten sah, grüsste er mich freundlich und überreichte mir eine Mercyships-Appointmentkarte für eine Operation am 16 September.
Ich brachte ihn aufs Schiff in den Patientenwartebereich und redete mit der Patientenaufnahme.Sie wussten nichts von diesem Patient. Auch beimChecken der Database (PC Programm mit allen Daten aller Patienten), konnte ich den Namen des Patienten nicht finden. Ich habe ihn natürlich gleich gefragt, ob er ein anderes mal unter einem andern Namen hier gewesen wäre :-), was er aber verneinte.Die OP-Leitung wusste ebenfalls nichts von ihm und einer geplanten OP am 16 September.
Mit meinem Latein am Ende, ging ich zurück und fragte den Mann, wer ihm denn diese Karte gegeben hätte.
Er erklärte mir, dass er die Karte vor drei Jahren bekommen hätte, als die Anastasis in Benin war! Da er die Karte in seiner Bibel gehütet hatte, sah sie noch wie neu aus. Er konnte allerdings nicht so ganz verstehen, warum wir ihm jetzt nicht helfen würden, schliesslich hätte er drei Jahre gewartet! Er ist traurig abgezogen. Bevor er ging, fragte er noch, ob er seine Appointmentkarte wieder mitnehmen könne, vielleicht - wenn das Schiff wieder mal nach Benin kommt - würde er es nochmal versuchen.

Samstag, 5. September 2009

Schiffsalltag

Jetzt sind wir schon seit acht Monaten hier im Hafen von Cotonou. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht!
Da wir hier abgesehen von unseren "Tankausflügen" alle drei Monate ständig am gleichen Dock vor Anker liegen, haben wir das Problem, dass sich viel "maritimes Gewächs" am Bug der AFM festsetzt, ausserdem schwimmt hier so viel Müll und Dreck im Wasser, dass die Lüftungssysteme der Kühlung für die Generatoren schnell verstopfen.
Deshalb müssen einmal in der Woche Taucher unters Schiff, um alles wieder zu säubern.

Diese Arbeit ist notwendig aber wirklich nicht beneidenswert!!

Mittwoch, 26. August 2009

Wellengang im Hafen

Seit vier Tagen haben wir hier im Hafen von Cotonou "Besuch" von einem Dredger (Baggerschiff).

Das wäre ja an sich nichts Spektakuläres, denn in einem Hafen kommen nun mal Schiffe an :-), aber in diesem Fall hat es ziemlich Konsequenzen: der Bagger ist 24-Stunden dran, das Hafenbecken um uns herum auszuheben.Die dabei entstehenden Wellen bringen die Africa Mercy im Moment recht heftig zum Schaukeln.
Mit Humor kommt man recht weit, wenn man am Schreibtisch sitzt und ständig der Stuhl wegrollt oder wenn man abends gemütlich in den Schlaf geschaukelt wird. Doch bei einigen hat dieser Wellengang die Seekrankheit ausgelöst und so haben sich heute sechs Krankenschwestern zur Spätschicht und drei zur Nachtwache krank gemeldet, was beinahe einer kompletten Schichtbesetzung entspricht.

So hoffen wir alle sehr, dass der Dredger bald mit seiner Arbeit fertig ist und wir wieder ein etwas ruhigeres Leben führen können :-)

Mittwoch, 19. August 2009

Bürogrüsse

Die "Zentrale" ,von der aus ich mich die letzten Wochen mehr und mehr in die neuen Aufgaben eingearbeitet habe, ist ein "6-Quadratmeter -Luxusbüro"( für mich alleine :-)).Unter der Woche geht es recht kunterbunt zu : die Tür steht offen, immer mal wieder spaziert ein kleiner Patient vorbei, kommen die Kollegen,... , so dass ich es auch schätze, am Abend oder Wochenende noch manches in Ruhe erledigen zu können. Es ist interessant, abwechslungsreich und spannend. Oft raucht abends der Kopf, es gilt vieles zu bedenken, zu überlegen, zu entscheiden,... .





Freitag, 14. August 2009

Palliativ Care

In meiner neuen Funktion lerne ich zur Zeit einige Arbeitsbereiche näher kennen.So treffe ich mich jede Woche ein Mal mit dem "Palliative-Care-Team".Sie kümmern sich um Patienten, denen wir mit einer Operation nicht mehr weiterhelfen können.Es ist eine grosse Herausforderung, neben der regelmässigen Verabreichung von Schmerzmitteln, Verbandswechseln,... den Menschen mit Zuhören und Gesprächen zu begegnen.Leid, Sterben und der bevorstehende Tod sind keine abstrakten Diskussionsthemen, sondern sie gehören zu individuellen Gesichtern und persönlichen Lebensgeschichten.

Beim letzten Treffen erzählten meine Kollegen z. Bsp. von dieser Frau,deren Tumor bereits grösser ist als ihr Kopf.

Ich bin sehr froh,dass wir an diesem Punkt, wo die Begrenzung unserer menschlichen Hilfsmöglichkeiten nicht zu ignorieren ist, durch den Glauben an die Bibel selber Hoffnung und Kraft schöpfen können und diese auch weitergeben dürfen!


Bild von dieser Patientin:





Sonntag, 12. Juli 2009

Wie heißt Du heute?

Meine ersten zwei Wochen Einarbeitungszeit sind nun vorbei und ich habe schon viel interessantes gesehen und gelernt.

Z.B. kam letzte Woche eine Patientin mit einem Tumor im Gesicht. Sie war bereits vor vier Monaten zu Untersuchungen bei uns gewesen, man hatte dann aber entschieden erst einen Eingriff zu planen, falls der Tumor weiter wächst.Dies war nun der Fall. Ich fragte die Frau nach ihrem Namen, um ihre Krankenakte besorgen zu können. Meine Suche gestaltete sich sehr mühsam: die Akte war nicht in dem Stapel, wo wir sie normalerweise aufbewaren, ebenfalls nicht im Archiv und auch sonst konnte ich sie nirgends finden. Nach einer halben Stunde ging ich zu meiner Kollegin, die mich einarbeitet und erzählte ihr von meinem Problem. Sie lächelte nur und meinte, ich solle die Patientin doch mal fragen, ob sie im März vielleicht einen anderen Namen hatte !? Ich ging also brav zurück und fragte. Zu meinem Erstaunen bekam ich sogar zwei total unterschiedliche Namen zur Auswahl! Mit diesem neuen Wissen war die Akte innerhalb von fünf Minuten gefunden.

Es bleibt also weiterhin abwechslungsreich und spannend :-)!!

Blackout

Alle sechs Monate müssen die Kühlsysteme der Generatoren gereinigt werden und dafür muss man die Generatoren abschalten. Das bedeutet für uns : kein Strom, kein Licht, kein Vakuumsystem (für WC / Dusche) und v.a. keine Klimaanlage. An diesen Tagen versucht jeder das Schiff zu verlassen und sich einen schönen Tag an Land zu machen :-)
Gestern hatten wir einen dieser Blackouttage.Da es bewölkt war und regnete, war es nicht wirklich Strandwetter.
Zusammen mit ein paar Freundinnen beschlossen wir, einen neuen Supermarkt zu erkunden, der hier vor ein paar Wochen eröffnet wurde. Es war unglaublich :in diesem Laden gibt es ALLES was man sich nur erdenken kann: von Nivea Gesichtscreme über Dove Duschbad bis hin zur Milkaschokolade. (Das alles natürlich zu entsprechenden Preisen :-( .)
Anschliessend fuhren wir zu einem "Deutschen Biergarten". Dieses Restaurant wurde von Deutschen gegründet und nicht nur die Speisekarte ist in deutsch geschrieben, es gibt auch typisch deutsches Essen wie Weisswürste mit süßem Senf oder Leberkäse (leider keine Maultaschen :-)).

Freitag, 3. Juli 2009

afrikanische Hochzeit

Letztes Wochenende bin ich zusammen mit fast 30 anderen "Mercyshipern" nach Togo gefahren . Esther (die schweizer Esther :-)) und Israel haben dort geheiratet. Es war ein sehr spezielles Erlebnis und sehr interessant mitzuerleben, wie eine typisch afrikanische Hochzeit abläuft:es wird sehr viel gesungen, geklatscht, getanzt... und es geht nicht ganz so feierlich zu wie bei uns daheim :-)Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und haben das Fest genossen!

Montag, 22. Juni 2009

neue Aufgaben

Vor einigen Wochen wurde ich von unserer "Patienten-Service-Coordinatorin" in ihr Büro bestellt und sie erzählte mir, dass sie ab August hier auf dem Schiff eine neue Stelle antreten wird.Sie fragte mich, ob ich Interesse hätte, ihre Nachfolgerin zu werden.

Ich erbat mir einige Tage Bedenkzeit. Nach vielen Gesprächen, auch mit dem Schiffsdirektor und dem Verwaltungsmanager, mit denen ich dann direkt zusammen arbeiten würde, vielem Überlegen und Abwägen, habe ich zugesagt.
So werde ich ab Juli in den neuen Aufgabenbereich eingeführt und ab August die Funktion übernehmen.

Dazu gehört dann u.a. :
  • Organisieren der Screenings ( sowohl das Hauptscreening zu Jahresbeginn , als auch die "kleineren" Screenings, die fortlaufend während des Einsatzes durchgeführt werden )
  • Unterstützung der Stationsleitungen
  • Koordination der einzelnen Fachabteilungsleiter
  • Verbesserung / Anpassung der Stationsabläufe (da jedes Land andere Gegebenheiten und Voraussetzungen bietet, müssen entsprechend Einrichtungen, Abläufe,... organisiert und angepasst werden.- z.Bsp. hatten wir in Liberia sehr viel Platz am Dock und konnten dort viele Staionen wie z.B. die Patientenaufnahme aussiedeln. Hier in Benin haben wir diese Möglichkeit nicht und müssen alles auf dem Schiff unterbringen, was zu einem enormen Plaztproblem führt
  • Überwachen der Bestellung, Lieferung und Lagerung von medizinischem Material für das Krankenhaus
  • Bearbeitung von Bewerbungen
  • Aufbau von Kontakten zu lokalen Krankenhäusern und Abklären von Möglichkeitem,dass Patienten nach Abreise des Schiffs dort weiterbehandelt werden können
  • Organisieren der wöchentlichten Meetings für das medizinisches Personal
  • Mitplanen des Einsatzes 2010 (bis jetzt ist noch nicht sicher, wohin wir gehen werden. Eigentlich war Guinea auf dem Plan, aber die politische Lage ist zu unsicher. Jetzt steht Kongo, Angola oder Togo zur Auswahl. Zur Zeit ist ein Team von Mercyships in all diesen Ländern, um die Situation abzuklären)

Das Schöne ist, dass ich trotz allen administrativen Aufgaben, durch die Screenings und Besuche in den lokalen Krankenhäusern, Zeit mit Afrikanern verbringen werde und sich so der Kontakt zwar verändern wird, aber nicht verloren geht.

Montag, 15. Juni 2009

Grossfamilien der besonderen Art

Heute habe ich einen Patienten nach einer Leistenbruchoperation versorgt. Da dieser Patient nur Bariba spricht ( eine Landessprache aus dem Norden von Benin), hatte ich einen Übersetzer, der mir bei der Verständigung half. Mein Patient erzählte mir ganz stolz, dass er 10 Frauen und 62 Kinder hat und seine jüngste Frau mit "Kind Nr. 63" schwanger ist. Ich war ziemlich erstaunt!Ich wusste zwar, dass hier viele Männer mehrere Frauen und dementsprechend grosse Familien haben, aber 10 Frauen und 63 Kinder?!
Der Übersetzter hat mich nur amüsiert angelächelt und berichtete, dass er 65 Schwestern und 40 Brüder hat. Sein Vater hat 25 Frauen.
Er erklärte weiter,dass die drei vernarbten Wunden auf seiner rechten Gesichtshälfte ebenfalls damit zu tun hätten : damit ein Vater unterscheiden kann, welches Kind von welcher Frau ist, werden den Kindern der unterschiedlichen Partnerinnen jeweils andere "Markierungen" eingeritzt oder eingebrannt.
Ich war / bin total geschockt und merke einmal mehr, wie unterschiedlich Kulturen sein können!!

Mittwoch, 10. Juni 2009

ein kleines Wunder

Letzte Woche betreuten wir diese kleine Patientin mit einem riesigen Tumor, der immer mehr auf ihre Luftröhre drückte.Sie hat uns ganz schön auf Trab gehalten!
Das Mädchen wog ebenfalls gerade mal die erfoderlichen 3000g, als sie letzte Woche operiert wurde. (Der Tumor alleine wog 800g!) Für einige Zeit lag sie nachbeatmet auf der Intensivstation. Ich bin total froh, dass wir zur Zeit zwei Intensivkrankenschwestern hier haben, die auf Frühgeborene spezialisiert sind!
Vor zwei Tagen fand die Verlegung auf Normalstation statt und die Kleine erholt sich prächtig :-) Sie hat noch Probleme mit dem Trinken, doch das wird langsam aber sicher immer besser.
Wir freuen uns alle, dass sie sich so gut erholt und die Schwellung täglich weniger wird.
Am Schönsten ist es aber, ihre Mutter zu beobachten: sie sitzt stundenlang neben ihrer Tochter, schaut sie an und lächelt vor sich hin.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Esthers über Esthers

Momentan sind wir sieben Esthers hier auf dem Schiff (leider fehlt eine auf dem Bild) was für unendlich viel Verwirrung sorgt.

Wir haben schon Verschiedenes ausprobiert, um uns auseinander zu halten: mit Esther B. kamen wir nicht weit, da wir vier "Esther B." sind.

Die Nennung des Berufs war ebenfalls keine Lösung, weil wir fünf "Nurse-Esthers" sind. Selbst wenn wir den"Fachtitel" anhängen, weiss man nicht genau, wer gemeint ist, da wir drei ICU-Nursen sind.
Ein anderer Versuch war, unsere Heimatländer zu nennen. Damit kamen wir auch an unsere "Grenzen" :-),da jeweils zwei von uns aus Kanada und zwei aus Deuschland kommen. Ans Aufgeben war nicht zu denken,so bauten wir diese Idee aus und nannten uns "German Esther 1" und "German Esther 2".Leider scheiterte es an der Umsetzung, weil dadurch noch mehr Verwirrung entstand :viele verwechselten ,wer von uns jetzt Nr.1 und wer Nr. 2 ist.
Mit der anderen deutschen Esther werde ich am meisten verwechselt, da wir beide Intensiv-, und Anästesiekrankenschwestern sind.Ausserdem sind wir beide genau gleich alt, kommen beide aus der Nähe von Stuttgart und haben somit den gleichen Akzent, wenn wir englisch reden, sind beide für zwei Jahre hier und kamen fast zur gleichen Zeit hier an.
Vor fünf Wochen kam eine der kanadischen Esthers aufs Schiff.Unsere Nachnamen sind fast identisch. Beim letzten Firedrill z.B. stellten wir dann fest, dass nur eine von uns auf der Musterliste steht :-) .
Jetzt mus ich mich wohl einfach daran gewöhnen, dass ca. jeder dritte Telefonanruf nicht für mich ist (v.a die um 7 Uhr morgens :-)), und ich bin schon Profi darin, emails weiterzuleiten, die zwar z.T. sehr interessant sind, aber mit denen ich nichts anfangen kann, da sie für eine andere Esther bestimmt sind :-)

Sonntag, 31. Mai 2009

Odilon

Odilon ist ein kleiner Lippen-Spalten-Patient. Seine Mutter kam mit ihm bereits im Februar zu uns. Damals war er gerade mal ein paar Wochen alt. Er war total unterernährt und viel zu leicht für sein Alter. Wir haben ihn in unser "Children-Feeding-Programm" (Ernährungsprogramm)aufgenommen und für drei Monate versucht, der Mutter beizubringen, wie wichtig es ist, dass sie ihrem Sohn regelmässig Milch zu trinken gibt (und nicht nur Wasser!).Es war sehr schön zu sehen, wie er langsam aber sicher an Gewicht zulegte. In dieser Zeit wuchs der Kleine uns allen sehr ans Herz und wir haben uns gefreut, als er dann im April mehr als 3000 g wog, so dass er das Mindestgewicht für eine OP hatte. Dr. Gary operierte Odilon und der Kleine war nach der OP nicht mehr wiederzuerkennen !!

Ende April haben wir Mutter und Sohn entlassen und sie an ein lokales Krankenhaus ganz in der Nähe ihres Dorfes überwiesen. Ein Sozialarbeiter dieses Krankenhauses besuchte die Familie immer wieder, um sicher zu gehen, dass der Kleine weiterhin genügend zu essen bekommt.

Letzte Woche bekamen wir ein email von diesem Sozialarbeiter, dass sich Odilons Zustand verschlechtert hätte, er hätte wieder abgenommen und leider würde die Mutter einen Aufenthalt im Krankenhaus ablehnen, um ihren Sohn wieder "aufzupäppeln". Als der Sozialarbeiter drei Tage später nach Odilon schauen wollte, war er gestorben. Seine Mutter hat ihn verhungern lassen.

Für viele Afrikaner gelten Kinder mit Lippen-Spalten immer noch als verhext und sie haben somit kein Recht zu leben.

Wir hörten auch schon von Müttern die Frage: Warum kümmert ihr euch so um mein Kind, es ist doch billiger ein Neues zu bekommen?!

Es ist so schwer bis gar nicht nachvollziehbar, wie man in dieser Weise denken kann! Auch wenn ich die ganze Situation mit Odilon - und den vielen tausend anderen Kindern, denen es genauso geht - nicht verstehen kann, bin ich doch froh zu wissen,dass es gut war, dass Odilon und seine Mutter bei uns waren und wir ihm zumindest für ein paar Tage seines Lebens die Liebe geben konnten, die jedes Kind verdient hat.

Dienstag, 26. Mai 2009

Feueralarm

Heute hatte ich einen freien Tag und geplant, gemütlich auszuschlafen, als um 08:03 Uhr der Feueralarm losging und dadurch alle Feuertüren zuschlugen (was einen riesen Krach macht und einen zusätzlichen Alarm auslöst).
Wir haben hier zwei Feueralarme: zuerst ertönt der "Crew-alert-Alarm", ein enorm unangenehm hoher Pfeifton, der 10 Sekunden anhält, was einem jedoch durch die hohe Frequenz wie eine Ewigkeit vorkommt :-). Dies heisst für alle Emgergencyteams,dass sie sich zu ihren Musterstationen begeben müssen. Wenn es sich dann tatsächlich um einen Brandfall handelt ,und die Crew evakuiert werden muss, folgt der zweite Alarm: der "Crew-rescue-Alarm". Dieser ist,was den Klang betrifft :-), wesentlich angenehmer, da er nur aus drei kurzen Tönen, gefolgt von einem langem Ton, besteht.
Normalerweise sind die Firedrills immer donnerstags, so dass heute schnell klar war, dass es ein echter Alarm sein muss - demtentsprechend schnell war ich dann auch wach!! Da ich im "Emergency Medical Team" bin, musste ich mich beeilen, um mich zügig bei meinem entsprechenden Posten zu melden. Es erhielt jeder seinen Rucksack mit der Notfallausrüstung und wir warteten dann auf weitere Anweisung vom Captain.
Es zeigte sich dann jedoch, dass es ein Fehlalarm war.
Eine der Patientinnen, die auf eine Augenoperation wartete, stand im Flur und als das Schiff sich bewegte, wollte sie sich an der Wand festhalten. Dabei zerbrach sie das Glas von einem Feuermelder und der Alarm wurde ausgelöst. Sie ist dabei wohl am meisten erschrocken, da sie meinte, sie hätte jetzt das Schiff zerstört, so dass es einige Zeit brauchte, sie zu beruhigen.
Wir waren alle froh, dass es nur ein Fehlalarm war, wenn ich auch bevorzuge von meinem Wecker geweckt zu werden, anstatt vom "Crew-alert-Alarm" :-)

Donnerstag, 14. Mai 2009

Explosion am Dock

Jeden Mittwoch kommt ein Müllauto, um unsere Mülltonnen am Dock zu leeren.Wenn man die Arbeiter beobachtet,
stellt man schnell fest,dass der Inhalt "streng sortiert" wird, jedoch nach anderen Kriterien als in Deutschland! Jede einzelne Mülltüte wird danach durchforscht, was evtl. noch brauchbar wäre, z.B. leere Dosen, Flaschen, Kanister, Essensreste wie Apfelkerne... oder Shampooflaschen in denen noch drei Tropfen Shampoo drin sind. Wir müssen sehr vorsichtig sein was wir in den Müll geben!
Letzten Mittwoch explodierte das Hydrauliksystem des Müllautos und alles in der näheren Umgebung war voll mit Hydraulikflüssigkeit. Leider standen drei unsere Landrover direkt daneben und unsere arme Automechaniker waren stundenlang beschäftigt, das schmierige Zeug wieder von den Autos runter zu bekommen!
Zum Glück gab es aber keine Verletzten!

Donnerstag, 7. Mai 2009

Blutspendezentrale

Anfang der Woche wurde einem jungen Mann ein großer Tumor an der Schulter entfernt. Es war zu erwarten, dass er einiges an Blut verlieren würde, doch dann blutete er noch mehr als befürchtet. Da wir hier keine Blutkonserven lagern und auch nicht per Telefon kurz in der Blutspendezentrale bestellen können :-), gibt es im Notfall eine Durchsage auf dem Schiff und die entsprechenden Crewmitglieder melden sich zum Blutspenden. Es wird dann eine Konserve abgenommen und sofort dem Patienten infundiert. In diesem Fall wurden jedoch sechs Konserven benötigt und so mussten wir die Intensivstation kurzerhand in eine "Blutspendezentrale" verwandeln.Sowohl der Patient als auch alle von der Crew haben diesen stressigen Morgen gut überstanden :-)

Sonntag, 3. Mai 2009

Grüße aus dem Urwald!

Letztes Wochenende fuhr ich mit einigen Freunden in den Norden von Benin zum Pendjari Nationalpark. Es waren drei Tage in einer ganz anderen Welt, so dass es "gefühlten" zwei Wochen Urlaub entsprach :-) ! Wir erlebten und sahen so einiges :
Zur Zeit ist Mangosaison und unser Menüplan bestand daher fast ausschliesslich aus frischen Mangos : sehr lecker ( und natürlich gesund :-) ) !
Wir waren die meiste Zeit mit einem etwas älteren Bus unterwegs. Es war total schön, oben auf dem Dach zu sitzen, nach Tieren Ausschau zu halten und die geniale Landschaft zu geniesen!Zwischendurch stiegen wir auf ein Boot um, was allerdings eine extrem wackelige Angelegenheit war.Wir machten einen kurzen Abstecher nach Burkina Faso, da dieser Fluss die Staatsgrenze zwischen Benin und Burkina Faso ist.(Linda hinter mir "bewundert " gerade die noch lebenden Fische unter meinem "Sitz" :-))
Auf dem Heimweg haben wir bei wunderschönen Wasserfällen gestoppt. Leider hat es geregnet (die Regensasion hat jetzt begonnen), doch das hat einige von uns nicht davon abgehalten, an den Felsen nach oben zu klettern und ins Wasser zu springen. Linda und ich zogen es vor, ein paar Runden zu schwimmen.