Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Freitag, 30. Mai 2008

Alima geht nach hause

Heute wird Alima entlassen! Sein Zustand hat sich in der letzten Woche täglich verbessert und jetzt geht es ihm so gut, dass er heute zurück nach Guinea fliegen wird.
Seit 4 Tagen kann er wieder normales Essen zu sich nehmen - er hat sich so gefreut als er, zum ersten Mal nach der langen Zeit der Sondenernährung, wieder essen durfte! Und immer noch sitzt er stundenlang mit einem Spiegel in der Hand in seinem Bett und schaut sein neues Gesicht an - er ist wirklich ein "neuer Mensch"!

Freitag, 23. Mai 2008

Zurück auf Station

Nach meinen "Intensivnächten" mit Alima hatte ich die letzten zwei Tage frei und als ich gestern wieder zum Arbeiten auf Station kam wurde ich so begrüßt:
(Auf dieser Tafel steht immer, welche Krankenschwester welchen Patienten zu versorgen hat.) Bei so einer Begrüßung kommt man gerne wieder zum Arbeiten :-)

Dienstag, 20. Mai 2008

Alima

Nachdem Alima vor ein paar Tagen seine OP gut überstanden hat, hatten wir ihn für 3 Tage bei uns auf der Intensiv zum nachbeatmen.
Als wir ihn dann selber atmen lassen wollten bzw. wir die Sedierung abstellten und er aufwachen sollte, hat er uns ziemlich ins Schwitzen gebracht da er er unheimlich lange gebraucht hat bis er die ganzen Medis, die er bisher von uns erhalten hat, verarbeitet hat und langsam wach wurde. Anschließenden war er im Durchgangssydrom, sprich er war völlig durcheinander und unruhig, und es war nicht immer so einfach ihn im Bett zu halten und ihn daran zu hindern sich die Magensonde und das Tracheostoma raus zu ziehen.
Doch im laufe vom gestrigen Tag hat er sich zunehmend gebessert und nun ist er wieder der "alte Alima" - da er nicht reden und singen kann (er hat ein Tracheostoma und die Sprechkanülen die wir haben passen nicht auf das Tracheostoma) lacht er ganz viel und streichelt jedem die Hand. Es ist so schön ihn zu beobachten wie er sich stundenlang im Spiegel anschaut und sein Kinn anfasst und "begreift" dass sein Tumor weg ist!

Freitag, 16. Mai 2008

Meine Patienten

1.) Blessing

Blessing geht es in der Zwischenzeit sehr viel besser! Nachdem wir in der letzten Woche immer 3x täglich Vebandswechsel mit Honig und Essig gemacht haben ist die Infektion der Wunde zurückgegangen so dass Dr.Gary, unser "Chefarzt", für heute die nächste Operation angesetzt hat. Im Moment ist Blessing im Aufwachraum und hat die OP gut hinter sich gebracht und wird in der nächsten Stunde auf Station verlegt werden. Es geht vorwärts!!

2.) Alima

Alima ist ein 22 jähriger Patient aus Guinea. Er hat ein Ameloblastom (bösartiger Tumor) an seinem Unterkiefer. Letzte Woche war ein Team vom Schiff in Guinea um den Aufenthalt der Africa Mercy in 2010 dort vorzubereiten. Dabei trafen sie Alima. Und gestern nun kam er zu uns aufs Schiff.

Bisher glaubte ich immer, dass Patienten mit solchen Tumoren früher oder später ersticken oder verhungern, da der Tumor immer weiterwächst und die Atemwege verlegt. Doch bei dieser Art Tumor stirbt das Gewebe im Inneren ab, wird nekrotisch (und stinkt ganz furchtbar!), entzündet sich und schließlich sterben diese Menschen an einer Sepsis (Blutvergiftung).

Gestern wurde Alima operiert. Es war sehr erstaunlich und schön ihn gestern Morgen zu sehen, er hat sich richtig auf die OP gefreut, hat die ganze Zeit gesummt und "gesungen" (so gut man eben mit einem Tumor dieser Größe am Mund singen kann), und immer gefragt wann es endlich losgeht und wann er dran kommt,...

Er hat die Operation gut überstanden und kam danach zu uns auf die Intensivstation. Er wird noch ein paar Tage bei uns bleiben müssen um nachbeatmet zu werden. Wir müssen warten bis die Schwellung zurückgegangen ist, und dann erst können wir ihn extubieren. Aber ich freue mich schon darauf bis er wach wird und sein "neues Gesicht" sehen wird!

Mittwoch, 14. Mai 2008

Harte Strafe

Während der Regenzeit steigt die Kriminalitätsrate um bis zu 80% hier in Monrovia!
Vor allem die Anzahl der Einbrüche nimmt rapide zu. Der Grund ist ganz einfach: Wenn der Regen auf die Wellblechdächer hämmert ist es so laut in den Häusern bzw. Hütten, dass man sein eigenes Wort kaum mehr verstehen kann, geschweige denn irgendwelche Einbrecher. Bei einem unserer Übersetzer hat man innerhalb von einer Woche dreimal eingebrochen. Die Einbrecher nehmen alles mit was sie finden können: Kochtöpfe, Eimer, Besteck,Nahrungsmittel, Kleider, Matratzen,Stühle,.....
Gestern hat ein Mann hier auf dem Hafengelände etwas gestohlen, er kam aber nicht weit. Als er mit seiner Beute (ich weiß nicht genau was er gestohlen hat) das Gate erreichte (und damit das Hafengelände verlies) und auf die Strasse ging, wurden einige andere Afrikaner aufmerksam auf ihn und als sie herausfanden dass er gestohlen hat wurden sie so wütend, dass sie den Dieb zu tode geprügelt haben. Sie liesen ihn an der Strasse liegen so dass jeder sehen kann was mit solchen Verbrechern geschieht.

Samstag, 10. Mai 2008

Reis ist Leben ?!

Wie ihr sicher daheim aus den Nachrichten mitbekommen habt, steigen hier in Afrika die Reispreise unaufhaltsam. In den letzten Wochen werden die Auswirkungen davon immer deutlicher.
Die WFP (United Nation World Food Proramme) zählt Liberia zu einem der 37 Länder, die aufgrund der steigenden Preise in eine Hungersnot geraten werden, wenn nicht sofort reagiert wird. Der Regierung wird empfohlen, dass sie die "Reissteuer" von 2 US Dollar pro 50kg Reissack aufheben soll. Ein solcher Sack Reis ernährt eine 7 köpfige Familie für einen halben Monat und kostet momentan 34 US Dollar - was ungefähr ein Monatsgehalt eines Arbeiters entspricht.
Viele Menschen ernähren sich nun mehr von Casava (eine Art Spinat) oder Potatoleaves (Blätter eine Kartoffelpflanze). Beides enthält jedoch kaum Nährstoffe - so dass die Zahl der unterernährten Menschen hier weiter zunehmen wird.

Pator Andresw, der Pastor der das Kinderheim betreut dass ich regelmäßig besuche, hat letztes Jahr an einem Agrarpojekt von MercyShips teilgenommen und er hat hinter seinem Haus einen kleinen Garten angelegt und versucht dort, recht erfolgreich, Salat usw. anzubauen. Es ist schön zu sehen, dass es Afrikaner gibt die ihr Situation erkennen, die verstehen dass sie selber aktiv werden müssen, die nicht nur auf Hilfe von anderen warten sondern selber etwas verändern. Dieser Garten ist in der jetzigen Zeit ein kleiner Schatz!

Ein weiteres Problem dass die Nahrungsmittelsituation hier in Monrovia verschlechtert ist ein neue Gesetz der Regierung was Taxis betrifft.
Hier ist es ja so üblich, dass in einem normalen Taxi zwei Leute vorne neben dem Fahrer sitzen und fünf hinten im Auto auf der Rückbank. Kaum jemand hat hier ein eigenes Auto und fast jeder ist auf diese Taxis angewiesen. Viele unserer Übesetzer, die hier auf dem Schiff arbeiten, stehen schon vor 5 Uhr morgens auf damit sie noch ein Taxi zu Hafen bekommen - wenn sie später dran sind und die "Rush-hour" begonnen hat, kann es sein dass sie über eine Stunde warten müssen, bis sie ein Taxi erwischen.

Dieses neue Gesetzt der Regierung besagt nun, dass es zu gefährlich ist wenn die Taxis derart überladen sind. Von nun an darf nur noch eine Person vorne neben dem Fahrer sitzen. Dass bedeutet, dass die eh schon geringen Kapazitäten des "öffentlichen Transportsystems" sich über Nacht um 16 % verringert hat, und der Kampf um einen Platz im Taxi noch schwieriger wird.
Aber das größte Problem daran ist, dass es nun für die Bauern vom Land enorm schwierig ist, mit einem Taxi in die Stadt zu kommen um hier ihre frischen Lebensmittel zu verkaufen!
Auch ein gutgemeintes neues Gesetz kann in die falsche Richtung ausschlagen.

(Apropos frische Lebensmittel: als wir neulich auf dem Markt waren und uns frische Eier angeboten wurden haben wir mal nachgefragt wie frisch die Eier sind und woher sie kommen. Der Verkäufer meinte total ernst: die Eier sind gestern frisch aus Indien eingetroffen!).

Dienstag, 6. Mai 2008

Besuche

In der letzten Zeit hatten wir viele Besucher hier:
Zum einen kam dieses Schiff der Amis für einen halbstündigen Besuch in den Hafen von
Monrovia. Wir haben uns schon gewundert warum während der letzten Tage keine Frachtschiffe hier im Hafen ein-, und ausfuhren, so wie sonst immer. Für fast eine Woche war die Africa Mercy und das "Kokainboat" die einzige Schiffe hier im Hafen - abgesehen von den 15 Wracks die noch verstreut unter Wasser hier liegen. Das "Kokainboat" ist ein kleines, altes, total verrostetes Fischerboot, dass vor ca. 2 Monaten vor der Küste Liberias in Seenot geraten ist und von der UN gerettet wurde. Dabei wurde Kokain im Wert von 15 Millionen US Dollar entdeckt. Nun ist das Schiff samt Inhalt beschlagnahmt (es wird erzählt, dass das Kokain hier im Hafengeländer verbrannt wurde).
Als dann letzten Freitag dieses Ami-Schiff hier im Hafen einfuhr wussten wir warum der Hafen für den Frachtverkehr gesperrt war. Zum einen wegen Sicherheitsgründen, und zum anderen ist das Schiff so riesig, dass kein anderes neben ihm am Dock Platz gehabt hätte.
Da dieses Schiff schon in Teneriffa (als die AFM dort im Dock war) Nachbar von der Africa Mercy war, kennen sich die Schiffsoffiziere ein wenig, und viele von uns hier konnten rüber gehen und es besichtigen (leider musste ich schaffen und konnten nicht mit).


Zum anderen hatten wir am Samstag besuch von 30 Kindern aus einem Kinderheim. Es ist das Kinderheim der kleinen Esther von der ich hier auch schon mal geschrieben habe. Es war ein total schöner (wenn auch stressiger :-)) Morgen. Die Kinder haben sich total herausgeputzt: alle waren frisch gewaschen und gekämmt und hatten ihre besten Kleider an.
Als sie hier ankamen sind wir mit ihnen als allererstes ins Bad um ihre Hände zu waschen (denn die sind hier in Afrika IMMER dreckig :-)) Den Kids hat das Bad (und die Klos) so gut gefallen, dass wir alle 5 Minuten mit jemand anders dorthin mussten und sie dann z.B. stundenlang die Hände unter dem fließenden Wasser gewaschen haben oder fünfmal auf die Klospühlung gedrückt haben :-)
Nach dem Spielen und Essen haben wir eine kurze Schiffstour mit ihnen gemacht und danach wollten wir ihnen einen kurzen DVD zeigen. Doch viele der Kleinen waren so erschlagen von all den Eindrücken das sie eingeschlafen sind. (und nicht nur die Kinder :-))
Hier ein paar Bilder von diesem Tag:



(Gruppenfoto auf Deck 7)


( Esther)


(Am Ende eines langen Tages)


(ich und "little Alice")



P.S Neues von Blessing:
Leider hat sich ihre Wunde infiziert - so dass alle weiteren Opeationen vorerst nicht gemacht werden können! Momentan versuchen wir mit Antibiotika und täglichen Verbandwechsel die Infektion in den Griff zu bekommen.