Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Freitag, 27. Juni 2008

"Freeport" - alles andere als "free"

Der Hafen hier in Monrovia heißt "Freeport", doch wenn man sich das Geschehen hier genauer anschaut hat man nicht den Eindruck, dass er seinem Namen alle Ehre macht.
In den letzten Wochen hatte ich immer mehr Kontakt zu Mitarbeitern von anderen Hilfsorganisationen, die auch hier in Monrovia arbeiten, und von ihnen bekam ich ein wenig mit wie viel Korruption hier an der Tagesordnung ist. Wenn sie einen Container von daheim bekommen steht er oft wochenlang hier im Hafen bevor er freigegeben wird (gegen entsprechende Bezahlung natürlich).
Wir von Mercyships haben es da etwas einfacher da die Container nur ein paar hundert Meter weit den Dock entlang transportiert werden müssen. Aber manchmal warten auch wir bis sie die Container liefern, doch es handelt sich bei uns nur um Tage und nicht um Wochen.


Hier auf dem Bild wird ein Container von dem holländischen Büro geliefert, in dem ein paar Päckchen aus Deutschland für mich drin sind :-) Spannend ist es immer wenn sie die Container Freitags liefern und erst am Montag auspacken,...



Samstag, 21. Juni 2008

Müll wegbringen...

... ist eigentlich eine normale, alltägliche Aufgabe. Hier kann sie zu einer 60 min. Aktion werden, so wie bei mir heute morgen.
Diese Woche bin ich dran mit Kabine putzen,... und als ich den Müll wegbringen wollte, begegnete ich einer Familie mit zwei kleinen Kindern. Das kleinere (ca. 5 jährige) Mädchen hat sich beim Spielen das Bein gebrochen. Die Eltern gingen mit ihrem Kind in eins der Krankenhäuser hier in Monrovia, doch der einzige Arzt dort konnte ihnen nicht helfen. Also sind sie zum "weißen Schiff" gekommen. Zur Zeit haben wir auch einen Unfallchirurgen hier, aber er wird nur noch für eine weitere Woche hier sein, und für diese Woche haben wir schon mehr als genug Patienten und auch schon eine Warteliste mit fast 50 Patienten. Mir blieb nichts anderes übrig als den Namen und die Telefonnummer der Familie aufzuschreiben und sie als Nr. 48 auf die Warteliste zu setzen.
Das ältere Mädchen hat sich vor ein paar Jahren den Arm gebrochen und bekam auch keine ärztliche Hilfe, seitdem kann sie den rechten Arm nicht mehr bewegen - jetzt haben die Eltern Angst dass ihrem kleineren Kind das selbe Schicksal mit dem Bein droht.
Wir haben stundenlang diskutiert und es war kaum möglich den Eltern zu erklären, dass wir nicht helfen können. Es ist nicht so einfach die Grenze von unserer Hilfe zu akzeptieren, wenn man die Verzweiflung und Enttäuschung in den Augen der Eltern und Kinder sieht.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Update Blessing

Blessing geht es recht gut und sie macht große Fortschritte. Sie hatte jetzt zwei Operationen in denen ihre Nase und die Haut zwischen Nase und Oberlippe rekonstruiert wurden. Nächste Woche wird sie eine weitere Operation haben, bei der sie neue Lippen bekommen wird.
Probleme hat sie noch mit ihrem Knie da die Entzündung nur sehr langsam besser wird. Da sie das Knie lange nicht bewegt hat, kann sie es nun nicht mehr ausstrecken. Seit 4 Tagen hat sie jetzt einen Gips mit dem wir versuchen das Bein wieder mehr zu strecken.

Dienstag, 3. Juni 2008

afrikanischer Wochenendausflug

Zusammen mit zwei anderen Deutschen und einer Schweizerin war ich letztes Wochenende unterwegs im Landesinneren von Liberia. Da wir alle frei hatten und Emdy, ein Freund von uns, angeboten hatte uns etwas von seinem Land zu zeigen, haben wir beschlossen den Samstag und Sonntag "up-country" (im Landesinneren) zu verbringen.


In diesen zwei Tagen haben wir so viel erlebt, dass es mir vorkommt als ob ich eine Woche unterwegs gewesen wäre :-) Für die 8 stündige Fahrt brauchten wir 5 Autos, da alle früher oder später kaputt gingen, zwischendurch standen wir ohne Benzin im Urwald und der Taxifahrer war recht lange unterwegs um Benzin zu holen; mit einem anderen Taxi steckten wir in einer großen Pfütze fest und legten den weiteren Weg dann zu Fuß zurück - was eins vom Schönsten war an diesem Wochenende: einfach zu Fuß durch das wunderschöne Land zu laufen und die Natur zu genießen ohne den Stadt-, und Schiffslärm um einen rum:-) Emdy konnte unsere Freude nicht so ganz teilen. Er erklärte uns das Menschen, die was auf sich halten und Geld haben, mit dem Taxi fahren und nur die Armen zu Fuß laufen.
Bei solchen Ausflügen lernt man dieses Land erst wirklich ein wenig kennen. (Durch einen zweitätigen Ausflug ins Land kann man sicher kein Land kennen lernen, aber man bekommt doch so den einen oder anderen Eindruck von den Menschen und ihrem Leben hier.) Z.B "durften" wir ein traditionelles Essen (Fufu und Reis) probieren - es ist schon was anderes als Maultaschen - aber auch ganz gut :-)


Außerdem zeigte uns Emdy viele Orte die während des Krieges eine wichtige Rolle spielten. Z.B. besuchten wir das Haus von Charles Taylor (Rebellenanführer, der für den 14 jährigen Bürgerkrieg (mit-)verantwortlich ist) - es ist in der Zwischenzeit nur noch eine Ruine. Aber man kann erahnen was für eine Prachtvilla das noch vor ein paar Jahren gewesen sein musste.
Dieses Wochenende war - trotzt aller Aufregung und dem vielen Trubel - total erholsam und schön. Seit gestern arbeite ich wieder, und wenn mir jetzt ein Patient erzählt er kommt aus Phebe oder Gbanga (so heißen die Orte an denen wir waren) kann ich mir vorstellen woher er kommt und wie er dort lebt.