Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Sonntag, 25. Oktober 2009

Einzelkabine

Als ich letzten Mittwoch vom Arbeiten kam, hatte ich einen Zettel an meiner Türe hängen, den sich jeder hier von der Crew wünscht, aber den nur wenige bekommen.
Er stammte von dem Büro, das für die Kabinenbelegung zuständig ist und enthielt die Nachricht, dass diesen Sonntag eine Einzelkabine frei werden würde und ich auf Grund von meinem neuen Job nun an oberster Stelle der Liste für Einzelkabineanwärter stände. So habe ich schnell meine "sieben Sachen" gepackt und bin dieses Wocnenende umgzogen :-)!Ich geniese es soo sehr, nun meine "eigenen vier Wände" zu haben und schätze es enorm, einen Platz zu haben, an den ich mich zurückziehen kann.

Hier ein paar Bilder von meinem neuen Zuhause:


P.S. Unserem schwerverletzten Kollegen geht es besser. Er ist noch nicht wieder richtig fit, aber er erholt sich langsam.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Nochmal ein Zemidjanunfall

Am Donnerstag morgen um 06:00 wurde das "Medical Emergency Team" zur Intensivstation gerufen. Da wir zur Zeit drei Teammitglieder mit recht schweren Malariaerkrankungen in der ICU liegen haben, habe ich mich innerlich darauf eingestellt, dass es einem von ihnen akut schlechter gehen würde. Doch als ich ankam, erschrak ich extrem, da ein blutüberströmter Teamkollege auf dem Bett lag, bewusstlos und wir konnten zuerst gar nicht erkennen, um wen es sich genau handelt. Wir haben ihn dann notfallmäßig versorgt und es stellte sich heraus, dass er mit einer Gruppe von andern Mercyshipers joggen war, als ein Zemidjan in die Gruppe fuhr und unseren Freund dabei streifte, so dass er mit dem Kopf auf die Strasse knallte.

Wir waren alle so froh, dass wir ein CT an Bord haben, so dass die Möglichkeit bestand, ein Schädel-CT zu fahren, was -Gott sei DANK -unauffällig war. Wir trafen trotzdem alle Vorkehrungen, um in evtl. schnell ausfliegen zu können, falls sich sein Zustand verschlechtern sollte. Doch auch das Kontroll CT am Freitag zeigte keine Auffäligkeiten ,so dass wir unseren Kollegen jetzt hier behalten und ihn langsam wieder aufpäppeln werden.

Damit wir vom Medical Emergeny Team "nicht aus der Übung kommen", hatten wir am Donnerstagabend um 23:00 gleich nochmal einen Notfall. Ein kleiner Junge hatte Krampfanfälle. So lagen am Abend fünf Patienten auf der Intensivstation .

Am Wochenende trat Entspannung ein. Unseren Malariapatienten ging es soweit besser, dass sie in ihre Kabinen "entlassen" werden konnten.

Hoffentlich wird die kommende Woche etwas ruhiger :-)

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Zemidjanunfall

In einem meiner früheren Blogeinträge habe ich von den vielen Zemidjans (Motorräder) berichtet, die hier überall auf den Strassen unterwegs sind und den dementsprechend gefährlichen Verkehrsverhältnissen.
Heute Morgen war einer unserer Übersetzer auf dem Weg zur Arbeit, als ein Truck ihn übersah.Daniel wurde dabei so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb.
Er war mitte dreissig, und hinterlässt seine Frau und zwei kleine Kinder.
Wir sind alle geschockt, denn durch die enge Zusammenarbeit mit den Übersetzern entstehen viele Freundschaften .V.a. Daniel war jemand, der uns "Weissen" sehr half seine Kultur zu verstehen. Er war sehr musikalisch und zusammen mit zwei andern Übersetzern blieb er oft nach einer Frühschicht noch länger auf Station und sang und musizierte für unsere Patienten.

Es war ein trauriger und harter Moment,das Team über den Unfall zu informieren. Unser Treffen entwickelte sich spontan zu einem Gottesdienst: es wurden Lieder gesungen und viele erzählten,was sie alles mit Daniel erlebt hatten. Wir sind alle sehr betroffen und werden ihn enorm vermissen!

Sonntag, 4. Oktober 2009

Blutspende Sonntagabend 21:00



Sonntagabends nach dem Gottesdienst haben wir immer ein "German-meeting". Es ist eine gemütliche Zeit, in der wir Deutschen zusammen sitzen und DEUTSCH reden:-).
Gestern Abend wurde ich während des Germanmeetings angpaged und zur Intensivstation gerufen. Es gab einen Patienten, der Blut brauchte. Dieses Mal musste nicht ich meine Kollegen "anzapfen", sondern war selber dran, Blut zu spenden. Es wird immer versucht, die Krankenschwester als letzte Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. Zur Zeit sind wir nur fünf B+ Spender, so dass ich nun an der Reihe war.



Als Dankeschön gibts danach eine Cola mit "Strohwaffel" :-)

Samstag, 3. Oktober 2009

Tag der Deutschen Einheit

Vor zwei Wochen haben wir Deutschen eine Einladung vom deutschen Botschafter für einen Empfang in seiner Residenz anlässlich des "Tags der Deutschen Einheit" bekommen. Zur Zeit sind wir 20 Deutsche und wir hatten viel Spass mit den "Vorbereitungen", da es eine strenge Kleiderordnung gab und alle Männer ein Hemd und Krawatte brauchten.Auch bei uns Frauen wurden noch Schuhe und passende Handtaschen gesucht bzw. ausgetauscht :-)

Es war ein schöner und interessanter Abend. Ich war erstaunt, dass es so viele Deutsche im Benin gibt, da wir ungefähr 800 Leute waren.
Mit einigen Mitarbeitern der Botschaft gab es ein nettes Wiedersehen.Wir hatten sie vor drei Monaten bei einem Dinner in der Botschaft kennen gelernt.
Es war aber auch spannend, neue Menschen kennen zu lernen.So unterhielt ich mich z.Bsp. mit einer deutschen Professorin, die seit einigen Jahren mit einem beninischen Apotheker verheiratet ist.Es war interessant von ihr zu hören, wie sie hier lebt und die Herausforderung meistert, mit ihrer deutschen Mentalität in einem afrikanischen Land zu leben. Dies sind einfach zwei "grundverschiedene Welten" und ich bewundere alle Menschen, die den "Spagat" bewältigen.
Da die (zum Glück nur 30 minütige) Ansprache auf Französich war, habe ich nicht viel verstanden. Im Hintergrund war eine große Leinwand aufgestellt, worauf verschiedene Bilder aus Deutschland gezeigt wurden. Es war ein seltsames Gefühl bei 45 Grad unter Palmen zu stehen und die Bilder von daheim zu sehen - es überkam mich schon ein wenig Heimweh :-)