Odilon ist ein kleiner Lippen-Spalten-Patient. Seine Mutter kam mit ihm bereits im Februar zu uns. Damals war er gerade mal ein paar Wochen alt. Er war total unterernährt und viel zu leicht für sein Alter. Wir haben ihn in unser "Children-Feeding-Programm" (Ernährungsprogramm)aufgenommen und für drei Monate versucht, der Mutter beizubringen, wie wichtig es ist, dass sie ihrem Sohn regelmässig Milch zu trinken gibt (und nicht nur Wasser!).Es war sehr schön zu sehen, wie er langsam aber sicher an Gewicht zulegte. In dieser Zeit wuchs der Kleine uns allen sehr ans Herz und wir haben uns gefreut, als er dann im April mehr als 3000 g wog, so dass er das Mindestgewicht für eine OP hatte. Dr. Gary operierte Odilon und der Kleine war nach der OP nicht mehr wiederzuerkennen !!
Ende April haben wir Mutter und Sohn entlassen und sie an ein lokales Krankenhaus ganz in der Nähe ihres Dorfes überwiesen. Ein Sozialarbeiter dieses Krankenhauses besuchte die Familie immer wieder, um sicher zu gehen, dass der Kleine weiterhin genügend zu essen bekommt.
Letzte Woche bekamen wir ein email von diesem Sozialarbeiter, dass sich Odilons Zustand verschlechtert hätte, er hätte wieder abgenommen und leider würde die Mutter einen Aufenthalt im Krankenhaus ablehnen, um ihren Sohn wieder "aufzupäppeln". Als der Sozialarbeiter drei Tage später nach Odilon schauen wollte, war er gestorben. Seine Mutter hat ihn verhungern lassen.
Für viele Afrikaner gelten Kinder mit Lippen-Spalten immer noch als verhext und sie haben somit kein Recht zu leben.
Wir hörten auch schon von Müttern die Frage: Warum kümmert ihr euch so um mein Kind, es ist doch billiger ein Neues zu bekommen?!
Es ist so schwer bis gar nicht nachvollziehbar, wie man in dieser Weise denken kann! Auch wenn ich die ganze Situation mit Odilon - und den vielen tausend anderen Kindern, denen es genauso geht - nicht verstehen kann, bin ich doch froh zu wissen,dass es gut war, dass Odilon und seine Mutter bei uns waren und wir ihm zumindest für ein paar Tage seines Lebens die Liebe geben konnten, die jedes Kind verdient hat.
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