Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Leben und Arbeiten auf der Africa Mercy in Westafrika

Montag, 21. April 2008

Nachtwache

Zur Zeit habe ich Nachtwache und bevor ich gleich wieder ein Deck tiefer auf Station gehe will ich Euch auf dem laufenden halten.

In diesen Nächten bin ich wieder für Blessing zuständig und es ist so schön zu sehen wie sie sich in den letzten Tagen verändert hat. Sie kann wieder lachen, ihre Augen funkeln vor Freude wenn sie einen Luftballon bekommt, sie hopst mit ihrem geschienten Bein und Gehstöcken über Station, jedem der an ihrem Bett vorbeikommt präsentiert sie ihre rot, orange, pink, blau frisch lackierten Fingernägel und beim Memoryspielen ist sie unschlagbar! Am Freitag hatte sie ihre zweite Operation und bis jetzt verläuft alles so, wie wir es uns gewünscht und erhofft haben. Hoffentlich werden die kommenden Wochen weiterhin so erfolgreich für Blessing verlaufen!

Im allgemeinen sind die Nächte hier recht ruhig. Wenn wir einen Patienten in der ICU haben, sind wir nur für diesen Patienten zuständig. Auf Normalstation muss man nach 6 - 8 Patienten schauen. Vorletzte Nacht hatten wir einen Patienten in der ICU der nach seiner OP epileptische Anfälle bekam. In der Vergangenheit hatte er schon öfters Anfälle, hat es uns aber verschwiegen da er Angst hatte wir würden ihn dann nicht operieren. Er hielt sich stabil über Nacht - und in der Zwischenzeit geht es ihm wieder richtig gut. Da wir hier keine Möglichkeit haben solchen Patienten mit Medikamenten einzustellen müssen wir den Patienten morgen so entlassen.
Wir sind in Afrika.

Letzte Nacht hatten wir dann morgens um 3 Uhr einen Wasserrohrbruch im OP. Der gesamte Flur der Starborside stand unter Wasser - im OP, im Röntgen, im CT , in der Apotheke und im Labor. Praktischerweise sind der Duty Officer und der Duty Plumper hier innerhalb von Minuten zur Stelle, so dass sie das Wasser schnell abstellen konnten und man nach 1,5 h Wasserschöpfen und putzen von den Plantschereien nichts mehr sah. In dieser Nacht hatte der Chief Officer Dienst und es war total schön wie er, und alle anderen die dazugerufen wurden, selber den Putzlumpen in die Hand nahmen und halfen.
Sicher gibt es auch hier Hierarchien und "Respektpersonen", und doch stehen wir alle auf einer Stufe und in manchen Situationen ist es egal ob ich Krankenschwester, Putzfrau oder Chief Offficer bin - man arbeitet zusammen.

Doch auch neben dem Arbeiten wird es nie langweilig. Letzte Woche hatten wir z.B. fast täglich einen Firedrill da irgendwelche Menschen hier waren die unsere Emergencyteams prüften (für eine Zertifizierung für die Versicherung). Für uns nicht direkt involvierten bedeutete es, einen Weg zum Dock bei geschlossen Fire-, und Waterdoors zu finden, dann stundenlang am Dock zu sitzen und den anderen beim Feuerlöschen oder beim flott machen der Lifeboats zuzuschauen. Doch es ist keine verlorene Zeit, da es dabei zu so manchen gutem Gespräch gekommen ist :-) So lernt man sich hier gegenseitig kennen, beim Firedrill, bei brühtender Hitze am Dock sitzend in ein Gespräch vertieft...

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